Tradition und Feste

Bei zwei der schönsten und beliebtesten Festivitäten Salzburgs – dem Maibaumaufstellen und dem Rupertikirtag – spielen Salzburger Tradition, Feststimmung und Lebensfreude die Hauptrolle.

Das Maibaumaufstellen rund um den 1. Mai ist für viele Salzburger Pflichttermin und hat wie so vieles in dieser Stadt eine lange Tradition. Der Ursprung der Maibaumbräuche ist heute nicht mehr bekannt, aber man geht davon aus, dass die Wurzeln dieser Tradition in germanischen Riten zu finden sind. In Österreich wird der Maibaum erstmals 1466 erwähnt – im 17. Jahrhundert jedoch zeitweise verboten. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Brauch wiederbelebt und erfreut sich bis heute ungebrochener, ja steigender Beliebtheit. Früher wurde die Birke als „Maien“ verwendet, da sie für Kraft, Licht und Heiterkeit steht.

Heute kommt der Fichte die Ehre als Maibaum zu, sie treibt in diesem Monat jährlich aus und gilt als Symbol für die Ankunft der Wärme. Außerdem ist sie mit ihrem geraden, glatten Stamm deutlich schwerer zu erklettern.

Der Riese wird geschmückt.

Schon Wochen vor dem Feiertag starten vielerorts die Vorbereitungen: Der Baum, ein hoher und gerader Stamm, wird eine Woche vor dem 1. Mai gefällt und entrindet. Nur die Krone bleibt erhalten. Aus den Zweigen wird ein Kranz geflochten, der nach dem Aufstellen ganz oben am Maibaum angebracht wird. Oft wird der Stamm noch mit roten Bändern umwickelt. Das Maibaum-Aufstellen wird von verschiedenen Vereinen organisiert, die sich damit ihre Kasse aufbessern.

Aufrichten im traditionellen Zusammenspiel.

Meist wird der Maibaum mit großen Festlichkeiten direkt am 1. Mai aufgestellt. Der Koloss wird dabei, nach alter Tradition, mit Hilfe langer Stangen und starker Männer Stück für Stück aufgerichtet. Viel Schweiß, Bier und Anerkennung fließen in den Stunden, die das Errichten in Anspruch nimmt. Ein Schauspiel für Jung und Alt und eine gute Gelegenheit, Salzburger Traditionen hautnah zu erleben und zu feiern. Während sich die Burschen mühen, den Baum aufzustellen, kann man sich seine Zeit gut mit Getränken, Würsteln und einem netten Plausch vertreiben. Eine Besonderheit des Salzburger Maibaums ist, dass sich beim Aufstellen der „Hanswurst“, eine derb-komische Gestalt aus dem deutschen Stegreiftheater des 16. Jahrhunderts, immer um den Baum herum befindet oder sich sogar während des Aufstellens auf den Stamm setzt und die Arbeit der Aufsteller verhöhnt. Die schönsten Maibaumfeiern in und rund um die Stadt Salzburg können Sie in Aigen auf der Kirchenwiese unterhalb des Schlosses, in der Stieglbrauerei und in Anif erleben. Tradition pur mit viel Lederhose und Dirndl.

Steht der Baum erst einmal, dauert es nicht lang unddie ersten Burschen – heute durchaus auch das eine oder andere Mädchen – versuchen sich im Maibaumkraxeln.

Sprint nach ganz oben.

Steht der Baum erst einmal, dauert es nicht lang und die ersten Burschen – heute durchaus auch das eine oder andere Mädchen – versuchen sich im Maibaumkraxeln. Nach altem Brauch versuchen sie bis zum ersten, zweiten oder gar dritten Kranz zu gelangen, um ein Band zu erwischen. Für die circa zwölf Meter hinauf brauchen die Besten nicht einmal neun Sekunden. Um den Baum zu erklimmen, braucht es aber nicht nur Können und Glück – sondern auch Pech. Als einzige Hilfestellung darf beim Maibaumkraxeln nämlich Pech an den Füßen und Händen benutzt werden.

Diebstahl erlaubt!

In ländlichen Gegenden hat die Landjugend die Aufgabe, den Maibaum zu bewachen. Schließlich kann es vorkommen, dass der Baum gestohlen oder umgeschnitten wird. In den meisten Teilen Österreichs gilt ein Maibaum dann als gestohlen, wenn die Diebe den Baum um ca. 45° umgelegt haben. Da der Maibaum mit Stangen aufgestellt wird, dürfen die Bäume auch nur manuell umgelegt und aus dem Ort hinausgetragen werden. Es gilt als Regel, dass nur jener Maibäume stehlen darf, der auch selber einen aufgestellt hat. Um den Baum zurückzubekommen, begibt sich eine Abordnung der Bestohlenen zu den Dieben. Ausgelöst wird der Maibaum nach ausgiebigen Verhandlungen – meist in flüssiger Form. In manchen Teilen Österreichs ist es auch üblich, dass sich die Diebe des Maibaums in einem öffentlichen Schauprozess verantworten müssen, und in diesem durch geschicktes Verhandeln die Sühne für ihren Diebstahl niedrig halten können.

Rupertikirtag – die größte Brauchtumsveranstaltung Salzburgs.

Aber auch ein anderes, heiß ersehntes Ereignis mit noch längerer Tradition wirft lange vorher seine Schatten voraus. Im Herbst, rund um den Namenstag des heiligen Rupert – seines Zeichens Salzburger Landespatron – findet alljährlich der Rupertikirtag statt. Dabei handelt es sich um die größte Brauchtumsveranstaltung im Land Salzburg. Das besondere Flair der Veranstaltung entsteht durch die ausschließlich historischen Fahrgeschäfte, manche von ihnen sind bereits knapp 200 Jahre alt.

Fest des heiligen Rupert.

Geschichtlich geht der Jahrmarkt sehr weit zurück. Schon im Mittelalter gab es zwei Jahrmärkte in der Stadt. Einen zur Fastenzeit und einen in der Herbstzeit. Der letztgenannte entstand aus dem Fest zu Ehren des heiligen Rupert und wurde erstmals im Jahre 1331 gefeiert. Im Mittelalter beschränkte sich die „Rupert-Dult“ zunächst auf den Dombereich und den Marktplatz. Seit den baulichen Neugestaltungen durch Wolf Dietrich von Raitenau (1559 – 1617) waren räumlich in wechselndem Umfang der Residenzplatz, der Kapitelplatz, der Domplatz, der Universitätsplatz und der Marktplatz (heute Alter Markt) oder Teile davon in die Dult einbezogen. Das Fest wurde stets feierlich durch die Domglocken eingeläutet. Nach einer Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs brachte Erwin Markl, der damalige Chef von Salzburgs ältester Gerberei und Lederhosenmanufaktur, 1977 die „Rupertidult“ unter dem Namen „Rupertikirtag“ wieder auf die Plätze um den Salzburger Dom zurück.

Erinnerungen an alte Tage.

Der Rupertikirtag steht für Historie und Kult längst vergangener Tage. Hier findet sich ein Kettenkarussell mit Baujahr 1848, das nur noch in dieser Zeit aufgestellt wird und zum Symbol desgleichen geworden ist. Bei wem kommen nicht Erinnerungen an die eigenen Kindertage auf, wenn er sich mit dem berauschenden Gefühl der Zentrifugalkraft rasant durch die Luft treiben lässt? Und das Kreischen der Garde unter 25 zeigt, dass dieser Fahrspaß wohl nie in die Jahre kommen wird.

Einfach nur authentisch schön.

Die Salzburger werden sich wohl für alle Zeit in die Stieglstand-, Trumerstand- und Bierzelt-Fraktion aufteilen. Von hier können sie, mit einem kühlen Blonden gewappnet, die alten Fahrgeschäfte, das fast vergessene Handwerk und die traditionelle Musik genießen. Auftritte von Brauchtumsgruppen gehören zum Kirtag genauso wie die nach altem Vorbild rekonstruierte Pawlatschenbühne. Umsonst sucht man hier marktschreierische Werbeplakate, Musik aus CD-Spielern oder hydraulisch betriebene Fahrgeschäfte. Hier, mitten in Salzburg, zählt die Authentizität des Vergangenen.

Hanswurst auf allen Wegen.

Auch ein Maskottchen nennt der Kirtag sein Eigen. Mehr noch als beim Maibaumaufstellen ist hier die historische Figur des Hanswurst bei allen wichtigen Veranstaltungen präsent. Er ist es auch, der mit dem rituellen Aufziehen und Einholen der Marktfahne den Rupertikirtag eröffnet und beschließt.

Bei wem kommen nicht Erinnerungen an die eigenen Kindertage auf, wenn er sich mit dem berauschenden Gefühl der Zentrifugalkraft rasant durch die Luft treiben lässt?

Fünf Tage Feiern für die ganze Familie.

Der Rupertikirtag 2014 beginnt am Freitag, 19. September um 12:00 Uhr mit der feierlichen Eröffnung am Domplatz und endet am Ehrentag des Salzburger Landespatrons am Mittwoch, 24. September mit einem absolut sehenswerten Feuerwerk.