Salzburgs Smaragd

Keine halbe Stunde dauert die Fahrt durch das malerische Alpenvorland in östlicher Richtung von Salzburg, da liegt dem Reisenden hinter einer Kuppe plötzlich der prachtvolle, smaragdgrüne Fuschlsee zu Füßen: das Tor zum Salzkammergut.

Bergab der Straße folgend, befindet sich linker Hand eine der berühmtesten Locations der Filmgeschichte. Das Jagdschloss Fuschl hatte schon nach seiner Erbauung im 15. Jahrhundert die Aufgabe, seinen Gästen unvergessliche Aufenthalte zu bieten. In den 50er-Jahren wurde das Schlosshotel als „Filmdouble“ selbst zum Star. Damals tobte die junge Romy Schneider durch die Gänge und Säle des Schlosses, das als Substitut für Possenhofen diente, wo die echte Kaiserin Sisi als Landadelige in Bayern eine glückliche Jugend verbrachte. Während der Dreharbeiten wohnte die am Beginn einer einzigartigen Karriere stehende Schauspielerin im Hotel, nun gedenkt ein kleines Museum im heutigen Luxushotel der Drehtage. Der historische Hintergrund des Schlosses reicht aber noch viel weiter: So nahmen etwa die Nazis das Schloss in Beschlag, NS-Außenminister von Ribbentrop residierte hier im Sommer und empfing Staatsgäste. Jahre später erwarb der „Salzbaron“ Dr. Carl Adolf Vogel das Schloss, unter seiner Leitung wurde es zum Grandhotel und glamourösen Treffpunkt des internationalen Jetsets. Anfang des neuen Jahrtausends ging das Schloss schließlich an die Schörghuber Unternehmensgruppe über und befindet sich seitdem in bayerischem Privatbesitz.

Wo Feinschmecker ihren Fisch kaufen

Wer es rustikaler will, kann sich in der Fischerei am Fuße des Schlosses stärken. Beim Spaziergang zum See hinunter lockt bereits von Weitem der Duft geräucherter Forellen, Reinanken und Saiblinge aus der schlosseigenen Fischerei. Bereits der Salzburger Fürstenhof bezog seine Fische von hier und an manchen Tagen trifft man am Seeufer den einen oder anderen Promi beim Fischschmaus. Täglich wird ofenwarmer Räucherfisch mit frisch gebackenem Brot serviert, und das schmeckt am besten auf den urigen Holztischen auf der Terrasse des Bootshauses. Die Tradition geht so weit, dass beinahe jeder Gast sein schmutziges Geschirr zur Theke zurückbringt, denn „nur wenn’s de Deller z’ruckbringts, wird’s morgen wieda schee“. Wer daraufhin Lust bekommt, selbst Fische an Land zu ziehen, kann sich bei verschiedenen Ausgabestellen eine Fischkarte besorgen und ein Boot mieten.

In der Schlossfischerei wird täglich ofenwarmer Räucherfisch mit frisch gebackenem Brot angeboten.

Die Mamarazza

Lange Mittelpunkt der Salzburger Gesellschaft, zog sich Fürstin Marianne von Sayn- Wittgenstein, auch „Mamarazza“ genannt, mittlerweile ein wenig zurück. Noch immer spricht die Salzburger High Society von ihren Festen. Handschriftlich lud sie jährlich zum „Ländlichen Mittagsessen“ und die gehobenen Kreise zitterten: „Stehe ich wieder auf der Liste?“. Ein Waldweg führt durchs Dickicht zu ihrem privaten Jagdhaus. Im Gebäude befindet sich ein alter Kamin, unzählige Fotos sind aufgestellt. In einem weißen Zelt im Garten griffen die Feiernden zu Kartoffelsalat und Schnitzel, über die Jahre sollen es 18.000 Gäste gewesen sein. Einer der ersten war Curd Jürgens, nach ihm kamen Leonard Bernstein, Margaret Thatcher, Sean Connery, Bianca Jagger, Bob Wilson, Dennis Hopper und auch Prince Charles mit Camilla. Auch wenn diese Zeiten für die 98-jährige Fürstin vorbei sind und die Essen nun in kleinerem Kreis stattfinden, so hält sie die Salzburger Gesellschaft zusammen wie keine andere.

Verborgene Kunst neu entdeckt

Eine andere Berühmtheit, die den Großteil ihres Lebens am Fuschlsee verbrachte, ist die begnadete österreichische Künstlerin Lisl Engels. Die Malerin war dem Expressionismus zugetan und hielt ihm auch ihr Leben lang die Treue – entgegen dem damaligen Zeitgeist. Daher wurde ihr auch nicht so viel Aufmerksamkeit zuteil, wie es ihr gebührt hätte. Obwohl Lisl Engels für ihre Gemälde Ehrungen erhielt und diese in zahlreichen Ausstellungen präsentierte, stand sie

nie im Fokus der Kunstwelt. Die Landschaften im Salzkammergut dienten als Vorlage für ihre Werke. Auf den Gemälden erstrahlt die Natur in überhöhter Form in ihrer natürlichen Schönheit, die Künstlerin brachte sie mit schwungvollem, kühnem Strich auf die Leinwand. Gerade diese eigenständige malerische Umsetzung wird sehr geschätzt.

Der Rundweg bietet Wandernden Ruhe und Entspannung in der puren Natur.

Köpfler ins Wasserreservoir

Nur wenige Glückliche erfreuen sich über ein Heim in einer Villa direkt am Ufer. Wer kein Haus am See sein Eigen nennt, entspannt sich an den Naturbadestränden des Fuschlsees. An den schmalen Kieselstränden kann man im Sonnenschein wunderbar Energie tanken, ein gekonnter Köpfler ins Wasser erfrischt Körper und Geist!

Nicht nur glasklar, sondern so sauber ist der See, dass er als Wasserreservoir des Landes Salzburg dient und der Schlossfischer oft von Touristen gebeten wird, für ein Foto von dem Wasser zu trinken. Hier lässt sich auch die Natur wunderbar genießen: Direkt im Ort Fuschl weisen die Schilder „Fuschlseerundweg Nr. 30“ zum Anfang der Naturwanderung, die entgegen dem Uhrzeigersinn um den See führt. Der Weg schlängelt sich entlang des sonnigen Nordufers, durch Sommerwiesen und lichte Wälder und vermittelt dem Wandernden Ruhe und Glücksgefühle, mitten in der Natur.

Bei der Gabelung zum Feldbergweg zweigt ein Steig zur Waldandacht ab, einer von vielen historischen Kraftplätzen rund um den Fuschlsee. Nur wenige Minuten lang geht es durch ein Waldstück, bis wie aus dem Nichts eine von knorrigen Buchen gesäumte Lichtung auftaucht. Dieser Platz zwischen den alten Stämmen bietet einen traumhaften Blick auf den Fuschlsee und die gegenüberliegende Bergkulisse. Der glitzernde, grüne See lässt sich noch bei zahlreichen weiteren Aussichtspunkten und Bademöglichkeiten entlang des Rundwanderwegs in vollen Zügen genießen.

Preisgekröntes Bio-Bier

Zum verdienten Durstlöscher nach erfolgreicher Wanderung kehrt man in das Brauhaus Gusswerk ein, welches ganz in der Nähe des Fuschlsees liegt. Es hat klein angefangen und gilt nun als Wegbereiter der neuen österreichischen Braukultur. Dieses Jahr feiert der Brauwirt sein zehnjähriges Jubiläum. Die demeterzertifizierte Bio-Brauerei wurde von Braumeister Reinhold Barta gegründet und kann sich ohne weiteres in der österreichischen Bierkultur behaupten: Beim „Best of Bio Beer 2016“ gewann das Gusswerk fünf Medaillen, aktuell kürte der Gault Millau Barta zum „Braumeister des Jahres 2017”. Im zum Gusswerk gehörigen BierPub werden Gäste mit regionalen und biologischen Schmankerln verwöhnt. Ob zur Brauereiführung, zum Feiern oder nur zum Durchkosten – das Brauhaus ist einen Besuch wert!