„Salzburg lebt vor allem durch seine Tradition“ – Interview mit Café Bazar

Foto: Café Bazar / Rahmen: sittipong/Shutterstock
Mit unserer Initiative „Die Salzburger Kaffeehauskultur hat Stil&Wert für unsere Stadt“ wollen wir Bewusstsein schaffen, für das Kaffeehaus als wichtigen Bestandteil Salzburgs. Im folgenden Interview haben wir mit Frau Brandstätter vom Café Bazar über den Mehrwert unserer Kaffeehauskultur gesprochen.
Stil&Wert: Fr. Brandstätter. Sie haben das Cafè Bazar im Jahr 2003 von der „Grande Dame“ Vera Tomaselli übernommen. Was hat sich seit der Übernahme im Cafè Bazar verändert?
Fr. Brandstätter: Wir haben nach der Übernahme im Jahr 2003 aufgrund einer äußerst behutsamen Renovierung des Interieurs sowie einer Modernisierung des kulinarischen Angebotes wieder viel neues Publikum hinzugewonnen. Auch unser ganztägig serviertes Frühstück mit vielen hausgemachten Spezialitäten sowie vegetarischen und teilweise auch veganen Alternativen, lockt vermehrt auch jüngere Gäste ins Bazar. Besonders am Herzen liegt mir der persönliche, freundliche aber doch respektvolle Umgang unseres geschulten Servicepersonals mit dem Gast.

 

Stil&Wert: Welchen Mehrwert sehen Sie als Kaffeehausbetreiberin für eine Stadt wie Salzburg durch Häuser wie Ihres?
Fr. Brandstätter: Salzburg lebt vor allem durch seine Tradition. Diese zu erhalten, sollte uns Salzburgern oberste Priorität sein, um auch in Zukunft das zu bewahren, was Salzburg ausmacht: eine bezaubernde, geschichtsträchtige Stadt, in einer der wunderschönsten Gegenden weltweit.
Wir im Café Bazar sind uns dessen bewusst. Wir möchten mit dem Erhalt dieser langjährigen Kaffeehauskultur ein Stück österreichischer Tradition aufrecht erhalten.
Stil&Wert: Was macht das typische Kaffeehaus aus und welche gesellschaftlichen Aufgaben hat es?
Fr. Brandstätter: Das typische Kaffeehaus sollte eine Art “ausgelagertes Wohnzimmer” sein. Ich meine damit, dass sich jeder Mensch (ob Geschäftsmann, Schauspieler, Musiker, Student, Hausfrau,…) bei uns eine Art “Auszeit” gönnen und bei einer Tasse guten Kaffees und einer Tageszeitung für eine Weile den Alltag ausblenden kann. Oder sich mit Freunden bei einem guten Glas Aperol “Sprizz” oder Bazar Daiquiri zu treffen.

 

Stil&Wert: Das Cafè Bazar, ist als das etablierte Salzburger Kaffeehaus mit vielen Stammgästen bekannt. Woran liegt es, dass ihr Haus für die Salzburger dermaßen attraktiv ist und zu keinem Ort der großen Reisegruppen geworden ist?
Fr. Brandstätter: Sicherlich ist es für uns von Vorteil, nicht direkt an der Touristenmeile (Getreidegasse – Alter Markt – Dom) situiert zu sein. Wer ins Bazar geht, muss sich schon gezielt ans andere Ufer der Salzach zu uns auf den Weg machen. Vielleicht (oder hoffentlich) liegt es aber auch am bereits erwähnten persönlichen Service unserer langjährigen Mitarbeiter, welche die Wünsche unserer Gäste oft schon vor der Bestellung wissen…

 

Stil&Wert: Würden Sie sagen, dass diese Stammgäste tendenziell weniger werden? Kommt hier eine Generation von jungen Salzburgern nach oder ist der typische Kaffeehausgänger vom Aussterben bedroht?
Fr. Brandstätter: Freilich fallen immer wieder auch – aus den verschiedensten Gründen – Stammgäste weg. Wir gewinnen jedoch stetig neues, auch jüngeres Publikum hinzu, welche dann auch ganz schnell zu netten Stammgästen werden. Wir können den Begriff “Kaffeehaussterben” glücklicherweise für unser Haus verneinen!

 

Stil&Wert: Müssen sich denn auch traditionelle Kaffeehäuser wie das Cafè Bazar immer wieder neu interpretieren? Ich denke jetzt spontan an das „Tanzcafe“, das von Ihnen erst seit kurzer Zeit ins Leben gerufen wurde und das „Bazar“ in ein neues Licht stellt.
Fr. Brandstätter: Innovative Ideen mit Qualität sind sicherlich für jedes Unternehmen ein immenser Mehrwert. Auch im Café Bazar können wir erkennen, dass Veranstaltungen, wie etwa unser Tanzcafé (nächstes Mal wieder im März!), enormen Zulauf haben und wir dadurch wieder neue Gäste gewinnen können. Dass man sich als traditionelles Kaffeehaus, wie wir eines sind, generell immer wieder neu erfinden muss, glaube ich jedoch nicht unbedingt. Was jedoch nicht bedeuten soll, dass man sich Neuem generell verschließt.

 

Stil&Wert: Standpunkt heute. Wie sieht die Zukunft des Cafè Bazar für Sie aus?
Fr. Brandstätter: Mein Wunsch für die Zukunft des Kaffeehauses – besonders für das Café Bazar – ist, dass die Menschen sich auch in Zukunft die Zeit und die Muse nehmen, sich im Kaffeehaus zu treffen (privat oder geschäftlich), sich intellektuell auszutauschen, Zeitung zu lesen oder einfach um einmal nichts zu tun und einfach die Atmosphäre zu genießen. Und dass es hoffentlich auch in Zukunft noch Mitarbeiter mit Liebe zur Gastronomie gibt!
Stil&Wert: Danke für die ausführlichen Antworten, Frau Brandstätter.
Fr. Brandstätter: Danke auch Ihnen.
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