Die süße Seite Salzburgs

Salzburg ist nicht nur Musik – seine Patissiers und Konditoren bieten das ganze Jahr über Festspiele für den Gaumen – wo sonst hätte die Mozartkugel erfunden werden können?

eder weiß um die Salzburger Nockerln oder die berühmte Mozartkugel. Aber hatten Sie schon einmal das Vergnügen eines warmen Apfelstrudels mit Blick auf die Festung? Salzburg hat viele Seiten. Die süßeste ist sicherlich in seinen Kaffeehäusern und Konditoreien zu finden – dazu bedarf es eines Streifzugs durch die Salzburger Konditoreilandschaft. Den meisten Besuchern entgeht, was eingeweihte Salzburger zu schätzen und zu genießen wissen. Ein absoluter Kennertipp ist die kleine Konditorei Ratzka. Seit 1954 verwöhnt der Familienbetrieb in der Imbergstraße die anspruchsvollen Gaumen der Naschkatzen. Wenn man vom Volksgarten stadteinwärts flaniert, läuft man fast an einem unscheinbaren Schaufenster vorbei, in dem aber die feinsten Leckerbissen diesseits der Salzach auf Besucher warten. Von der Mohntorte über den Marillenfleck bis hin zur Weißbier- Ananas-Verführung – aus 20 verschiedenen Leckereien kann man hier wählen. Wenn man Glück hat, ergattert man einen der vier kleinen Tische und kann bei einer Melange ein Stück Tradition genießen. Hier kann man den alteingesessenen Salzburgern beim Philosophieren zuhören und sich das Leben in all seiner Schönheit erklären lassen. „Ich stelle nichts her, was ich nicht selbst mag“, sagt Heidi Ratzka, die Tochter des Gründers Herwig Ratzka. Jeder Stammgast des Ratzka hat einen anderen Geschmack, aber sie alle finden zwischen dieser Vielzahl an Torten, Kuchen, Pralinés und Konfekt ihren Favoriten. Fragt man die Chefin des Hauses, so ist die Spezialität auf jeden Fall der Marillenfleck. Kaum gelobt, schon geordert – beim Bestellen erfüllt den Gast schon erwartungsvolle Spannung. Auch sehr hohe Ansprüche an das gelobte Backwerk werden nicht enttäuscht – mit Blick auf die Festung erfreut man seine Geschmacksknospen hier mit dem wohl besten Marillenfleck der Stadt. Die kleinen orangen Früchte fügen sich mit ihrem leicht säuerlichen Geschmack perfekt in die Süße des Backwerks und bilden zusammen eine Symphonie des Genusses.

Einen weiteren Hotspot der Salzburger Süßspeisen findet der Ortskundige direkt an der Salzach. Auf der Seite der Linzergasse und noch vor Überqueren der Staatsbrücke gilt es, das Café Bazar zu besuchen – eines der traditionsreichsten Cafés der Stadt. Schon Marlene Dietrich, Romy Schneider und Herbert von Karajan genossen hier bei Kaffee und Kuchen den Ausblick auf die beeindruckende Salzburger Kulisse. Seit dem Jahr 1909 widmet sich das Bazar der Welt der Genüsse – zwischen den hohen Wänden dieses traditionsreichen Gebäudes macht sich ein Gefühl der Melancholie breit, und man kann sich richtig vorstellen, wie Thomas Mann hier seine Tage verlebte. Heute hat sich dieses Kaffeehaus nicht nur als In-Treffpunkt für Kenner und Liebhaber etabliert, sondern ist darüber hinaus eine ganz wichtige Stätte der Begegnung: Hier wird diskutiert, zur Lage der Stadt debattiert, über Kultur sinniert und durchaus auch Politik gemacht.

Die Spezialität des Hauses ist der Apfelstrudel, darin sind sich die meisten Gäste einig. Schon der Geruch von Äpfeln und noch warmem Teig lässt jedem Besucher das Wasser im Mund zusammenlaufen. Wenn man der Versuchung endlich nachgibt, eröffnet sich mit jedem Bissen eine Geschmackssensation, die wärmende Glücksgefühle im ganzen Körper auslöst. Am Ende dieser Gourmet- Ouvertüre ist sich der Besucher sicher: Einen besseren Apfelstrudel wird man wahrlich kaum finden.

Die nächste Station der Salzburger Genusswelt ist ein Muss für jeden Kenner. Der Weg dorthin führt über die Salzach in die eigentliche Altstadt. Angekommen am Alten Markt, ist es dann so weit – durch einen traditionellen Eingang kommt man in das älteste Kaffeehaus von Salzburg: das Tomaselli. Dieses Kaffehaus besteht seit 1703 und ist seit 1852 im Besitz der Familie Tomaselli. Besonderen Charme verleiht dem Tomaselli auch die traditionelle Kleidung seiner Ober und Tortenfeen. Hier kann der Gast ganz gelassen in der altehrwürdigen Atmosphäre schwelgen, während das Personal die köstlichen Kuchenspezialitäten auf großen Silbertabletts von Tisch zu Tisch trägt und anbietet. Auch das Tomaselli hat seine Besucher, die immer wiederkehren. Für diese Runden hält das Tomaselli eigene Tische bereit. Von der klassischen Sachertorte über Waldbeerkuchen bis zum Nusskipferl gibt es alles, was das Herz begehren könnte. Schon Wolfgang Amadeus Mozart genoss hier seine Melange und unzweifelhaft ein Stück der sagenumwobenen Topfentorte: Sie ist die Spezialität des Tomasellis und auf jeden Fall eine Sünde wert.

Allen Klischees zum Trotz: Wenn es um das süße Salzburg geht, darf die Mozartkugel nicht unerwähnt bleiben. Erfunden wurde sie um 1890 vom Salzburger Konditormeister Paul Fürst. Noch heute ist das Café Fürst im Besitz der Familie und noch heute wird hier die Mozartkugel in Handarbeit nach der Originalrezeptur hergestellt. Aber egal, wo man eine Mozartkugel kauft – kaum hat man die silberne, goldene oder rote Hülle entfernt, eröffnet sich einem ein lukullischer Genuss aus Marzipan und Nougat, umhüllt von zarter, aber knackiger Schokolade. Die verführerischen Kugeln sind heiß begehrt bei Besuchern – aber auch als Mitbringsel für Gastgeber ferner Länder ist die Mozartkugel DAS österreichische Highlight. Einen kleinen Kaffee und eine Mozartkugel genießen – das heißt Salzburg erleben. Eine weitere Köstlichkeit des Salzburger Konditorangebots entstammt der winzigen, versteckten Stube der Familie Winkler. In einem der vielen Durchgänge und Verbindungswege der Salzburger Innenstadt befindet sich die Konditorei Schatz. Wenn man vom Rathausplatz den richtigen Durchgang zum Universitätplatz nimmt, wird man schon vom köstlichen Geruch angezogen, der die Leckereien-Manufaktur umgibt. Auf das „Schatz“ trifft sicherlich der Ausspruch „Klein, aber oho“ zu – denn in dem traditionell-gemütlichen Häuschen werden täglich köstliche Wunderwerke geschaffen. Zwischen all den Köstlichkeiten ist eine ganz unumstritten die Spezialität – die Cremeschnitte. Sie ist eine Symbiose aus himmlischer Creme und reschem Blätterteig, und jeder Bissen ist ein Genuss. Unter Karajan war das „Schatz“ der süße Versorger der „Festspieler“, und auch die österreichische Politikszene hat eine ausgesprochene Schwäche für die unbestechliche Qualität der Cremeschnitten des Hauses.

Unser kleiner Streifzug durch die süße Salzburger Welt hat hoffentlich Lust auf mehr „Dolce Vita“ gemacht – denn hier und da warten immer noch unentdeckte Genusswelten.