„Wollten ein gemeinsames Lebensprojekt starten“ – Interview mit 220° Rösthaus&Cafe

Mit unserer Initiative „Die Salzburger Kaffeehauskultur hat Stil&Wert für unsere Stadt“ möchten wir Bewusstsein schaffen, für das Kaffeehaus als wichtiger Bestandteil Salzburgs. Im folgenden Interview haben wir mit Herrn Macheiner vom Café 220 Grad über seine spezielle Kaffeehausphilosophie gesprochen.

Stil&Wert: Hr. Macheiner, seit nun neun Jahren betreiben Sie und Ihre Gattin das Café 220 Grad in der Chiemseegasse. Woher kommt der Name und die Idee?

Hr. Macheiner: Lassen Sie mich zunächst mit der Idee beginnen. Meine Frau und ich sind beide Quereinsteiger, Margret als Politikwissenschaftler und ich als Lebensmitteltechnologe. Um es kurz zu sagen, wir hatten genug vom Angestelltenberufsleben und wollten ein gemeinsames selbständiges Berufs- und Lebensprojekt starten. Das es dann Kaffee geworden ist, hing mit der privaten Vorliebe für das Getränk und mit den breit gefächerten Themen der Herstellungskette zusammen. Geschichtliche Tradition, Anbauländer, Anbau- und Verarbeitungsmethoden, Rösttechnologie, Zubereitungsmethoden und nicht zu zuletzt die Kultur der gastronomischen Präsentation. Der Markenname 220Grad nimmt Bezug auf das Röstverfahren und steht symbolisch für Energie die zur Aromabildung notwendig ist.

Stil&Wert: Was bedeutet denn der Begriff Kaffee- und Kaffeehauskultur für Sie persönlich?

Hr. Macheiner: Kaffeekultur hat natürlich einen weit zurückreichenden historischen Arm. Beginnend als Wein des Islams oder als das Getränk der Querdenker zur Zeit der französischen Revolution. Kaffee als Kulturpflanze mit 1000 jähriger Geschichte und Kaffee als weltweit bedeutsames Wirtschaftsgut. Kaffeehauskultur hat etwas zu mit der Freiheit des Zusammentreffens von Menschen, bei der neben der Konsumation von Speisen und natürlich von Kaffeegetränken aller Art die Kommunikation, das miteinander Reden ganz zentral ist. Kaffee mit seiner anregenden Wirkung spielt da eine wichtige Rolle.

Stil&Wert: Zusätzlich zu Ihrem charmanten Café in der Chiemseegasse betreiben Sie mittlerweile auch Ihre eigene Rösterei. Aus welchen Anbaugebieten kommen Ihre Kaffeebohnen?

Hr. Macheiner: Wir haben uns von Beginn an vorgenommen jedes Jahr eine Kaffeereise in anderes Erzeugerland zu machen, um die Vielfalt der Rohprodukte, Anbau- und Verarbeitungsmethoden kennenzulernen. Dabei kaufen wir unseren direkt Rohkaffee ein oder bauen zumindest Kontakte für einen Einkauf über Händler auf. Wir beziehen derzeit Rohkaffee aus Mittel- und Südamerika (Brasilien, Kolumbien, Guatemala, Nicaragua und fallweise Panama) sowie aus Afrika, insbesondere Äthiopien und Kenia. Kleinere Mengen beziehen wir auch aus Indien und Sumatra.

Stil&Wert: Kennen Sie auch die Kaffeebauern und Anbaugebiete, von denen Sie die Kaffeebohnen beziehen? 

Hr. Macheiner: Wie vorhin schon erwähnt, ist das eines der Ziele unserer Kaffeereisen – einerseits nicht nur die Kaffeebauern sprich die Besitzer der Fincas und Faciendas sondern auch das Arbeitsleben der Pflücker und deren Familien kennenzulernen.

Stil&Wert: Geht dieser Bezug zum Ursprung des Kaffeeprodukts heutzutage nicht zunehmend verloren? 

Hr. Macheiner: Uns ist es ganz wichtig diesen Bezug für uns selbst aufzubauen und zu pflegen. So hat unser Sohn Lukas letztes Jahr ein zweimonatiges Praktikum auf einer Kaffeefinca gemacht. Unsere Tochter Katharina war voriges Monat bei Kaffeebauern in Panama. Dieser Kontakt ist für uns sehr wichtig, um das Produkt und insbesondere seine Wertigkeit, noch besser zu verstehen.

Stil&Wert: Wenn Sie die Philosophie Ihrer Unternehmung mit einem Satz beschreiben. Wie würde dieser lauten?

Hr. Macheiner: 220Grad ist ein guter Platz für Menschen

Stil&Wert: Vielen Dank.

(Foto: 220 Grad / Rahmen: sittipong / Shutterstock)

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