Shooting-Star hinter den Kulissen der Festspiele

Mag. Lukas Crepaz, kaufmännischer Direktor der Festspiele, erzählt vom Stellenwert der Salzburger Festspiele und wie ihn seine Arbeit bei der Ruhrtriennale geprägt hat.

Ihre Eltern Maria und Gerhard Crepaz führten in Ihrer Geburtsstadt Hall in Tirol die ‚Galerie St. Barbara‘, die sich rasch als weit ausstrahlendes Kulturforum etablierte. Sie leisteten auch Pionierarbeit im Bereich der zeitgenössischen Musik. Wie sehr hat Sie dieses künstlerische Umfeld geprägt?
Die Organisation wurde ursprünglich als Kunstgalerie von einigen Studenten gegründet. Meine Eltern steuerten das Musikprogramm bei. Da meine Eltern ihr zweites Büro bei uns zuhause hatten, sind bei uns die Künstler ein- und ausgegangen. Diese Begegnungen waren sehr bereichernd für mich, wir haben von klein auf Weltoffenheit und Neugierde mitbekommen. Die Unbedingtheit, wenn ich mich einer Aufgabe widme, habe ich dabei von meinem Vater geerbt und die Diplomatie von meiner Mutter (lacht).

Was hat Sie zum Studium „Internationale Wirtschaftswissenschaften“ in Innsbruck und Barcelona gebracht? Hatten Sie den Karrierewunsch, die eine Welt mit der anderen zu verbinden, schon sehr früh?
Wie bei vielen Familienunternehmen habe ich von klein auf mitgeholfen und im Laufe der Zeit immer mehr Aufgaben übernommen. Mir ist meine Begabung für das Analytische und den kaufmännischen Bereich aufgefallen. Bei Kulturorganisationen stellen sich viele Herausforderungen: Einerseits ist die öffentliche Förderung sehr begrenzt und andererseits steigen die Kosten ständig. Neue Methoden müssen gefunden werden, um die Ziele trotzdem zu erreichen.

Wo werden dabei Ihre Schwerpunkte liegen?
Zwei meiner Schwerpunkte liegen auf der Finanzierungs- und Kostenfrage von Programmund Investitionstätigkeit und auf der Digitalisierung. Man muss zusätzliche Kanäle für die Verbreitung finden und sich neue Vermarktungsstrategien überlegen. Wir sind sehr stolz, dass unsere Aufführungen von Salzburg aus in die ganze Welt übertragen werden, aber als Salzburger Festspiele stellen wir das Liveerlebnis klar in den Vordergrund. Ich glaube nicht, dass das ergänzt werden muss, indem Besucher mit Google Glasses oder mit einer Augmented Reality Brille in die Oper kommen. Die Energie ergibt sich rein analog aus dem Hier und Jetzt mit den Künstlern. Man hat sich entschieden, sich ausschließlich für diese Vorstellung Zeit zu nehmen. Das ist der Luxus unserer Zeit.

Sie sind Jahrgang 1981, sind gerade einmal 35 Jahre alt. Dennoch bringen Sie bereits enorme Erfahrung mit. Was hat Sie am meisten geprägt?
Am meisten hat mich mein erster großer Job im Ruhrgebiet geprägt. Ich hatte die einmalige Chance bekommen, den kompletten kaufmännischen Bereich für die Kulturhauptstadt Europas aufzubauen. Begonnen habe ich 2007 mit 37 Mitarbeitern. Zu Spitzenzeiten 2010 hatten wir 150 feste Mitarbeiter und zusätzlich Freelancer. In diesem einen Jahr fanden 3.000 Veranstaltungen statt, die systematisiert werden mussten. Ein solches Projekt zu realisieren, im Budget zu bleiben und ein richtiges Projektcontrolling aufzusetzen, war eine enorme Erfahrung, von der ich viel mitnahm.

Für fünf Jahre waren Sie kaufmännischer Geschäftsführer der Kultur Ruhr GmbH, was hat Sie dazu bewogen, sich bei den Salzburger Festspielen zu bewerben?
Die Ruhrtriennale ist nach dem Vorbild der Salzburger Festspiele gegründet worden. Die Kunst ist ein sehr bedeutendes Element der Identität von uns Österreichern. Salzburg ist einfach „DAS Festival par excellence“. Ich selbst bin ein totaler Festivalmensch. Als Student bin ich aus Tirol nach Salzburg gekommen, um mir verschiedenste Vorstellungen anzuschauen. Ich liebe diese Kraft, die von dem komprimierten Erlebnis ausgeht. Die Salzburger Festspiele sind als Organisation noch komplexer als die Ruhrtriennale. Es gibt eigene Werkstätten, die den Großteil der Bühnenbilder selber produzieren, was sehr besonders ist.

Sie haben sich einmal im Zusammenhang mit der Ruhrtriennale zum Mehrwert des Festivals für die Kultur und Region geäußert. Wie sehen Sie diesbezüglich den Stellenwert der Salzburger Festspiele?
Der Stellenwert der Salzburger Festspiele ist aufgrund ihrer tangiblen und intangiblen Effekte auf die Region sehr hoch. Wenn man sich anschaut, welche Besuchermassen herkommen, dann merkt man die Faszination, die von den Festspielen und von Salzburg ausgeht. Das Besondere am Programm von Markus Hinterhäuser ist der starke inhaltliche Zusammenhang der Produktionen und die raffinierte Konstellation von außergewöhnlichen Dirigenten und Regisseuren. Durch seine Handschrift entsteht eine neue Salzburger Dramaturgie. Während dieser ganzen Zeit atmet die Stadt die Festspiele. Das war für mich als Besucher auch immer so einzigartig. Man merkt, Salzburg ist eine echte Kunst- und Kulturstadt.

Sie haben die ökonomische Legitimation von Kultur kritisch kommentiert. Wie schwer ist es, Budgets aufzustellen und Vorgaben der enger werdenden Rahmen einzuhalten? Was wird von der öffentlichen Hand zu den Festspielen beigetragen?
Wir wollen die öffentliche Hand natürlich nicht überstrapazieren. Ich sehe aber die absolute Notwendigkeit, dass sich die Kostensteigerungen in der Förderung durch die öffentliche Hand widerspiegeln. Die Auslastung ist gigantisch: Letztes Jahr waren es 96 Prozent und das ist schwer zu toppen. 80 Prozent des Budgets werden durch Sponsoren, Mäzene, den Verein der Freunde und Ticketeinnahmen selbst finanziert. Gerade 20 Prozent stammen von der öffentlichen Hand.

Wie hoch ist das Sponsoring von Freunden und Förderern?
Der Beitrag von Freunden und Förderern macht ungefähr 2,5 Mio. EUR aus, also wertvolle und wichtige 4 Prozent.

Wie lange befindet sich ein Festspielgast in Salzburg? Können Sie sagen, wie viel pro Person in dieser Zeit durchschnittlich ausgegeben wird?
Ein Festspielgast gibt ohne Ticket laut aktuellen Angaben 319 EUR am Tag aus. Das ist ein enormer Kaufimpuls für die Stadt. Laut der Wertschöpfungsstudie vom letzten Jahr befindet sich der durchschnittliche Besucher sechs Tage in der Stadt. In der Regel kommen die Besucher zu zweit, wenn man das hochrechnet, dann werden pro Besuch 4.000 EUR ausgegeben – ohne Festspieltickets.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Direktorium und insbesondere mit Festspielpräsidentin Dr. Helga Rabl-Stadler?
Es handelt sich um eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ich bin glücklich, dass sie sich bereit erklärt hat, bis 2020 zu verlängern. Das wird natürlich dann spannend, da uns das Projekt „100 Jahre Salzburger Festspiele“ bevorsteht.

Wie sehen Ihre Ziele für die nächsten Jahre aus?
Ich möchte den Salzburger Festspielfonds im Hinblick auf 2020 mitgestalten und in sein zweites Jahrhundert führen.