„Österreichische Kaffeehauskultur ist weltweit einzigartig“ – Interview mit Café Wernbacher

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Mit unserer Initiative „Die Salzburger Kaffeehauskultur hat Stil&Wert für unsere Stadt“ wollen wir Bewusstsein schaffen, für das Kaffeehaus als wichtigen Teil unserer österreichischen Identität. Wir haben das Café Wernbacher besucht und mit Herrn Huemer über unsere Kaffeehauskultur gesprochen.

Stil&Wert: Hr. Huemer. Was hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren in der Kaffeehauskultur verändert? Ist das klassische Kaffeehaus noch zeitgemäß?

Hr. Huemer: Das klassische Kaffeehaus ist sehr stark in der österreichischen Kultur verwurzelt und deshalb immer noch zeitgemäß, wobei als Nachsatz gelten muss, dass auch ein altes Kaffeehaus mit der Zeit gehen muss. Die österreichische Kaffeehauskultur ist weltweit einzigartig und international bekannt. In den letzten Jahren verändert hat sich aber jedenfalls, dass viele ihre Nachrichten über Handy oder Tablet lesen und dadurch nicht mehr so oft ins Kaffeehaus gehen. Auch professionelle Kaffeeautomaten in Privathaushalten tragen zu weniger Kaffee-Konsum bei – hingegen ist das Frühstück auf qualitativ höherem Niveau, im Vergleich zu früher als „Grundversorgung“.

Stil&Wert: Welchen Mehrwert hat das Café Wernbacher für eine Stadt wie Salzburg? Was macht das typische Kaffeehaus aus und welche gesellschaftlichen Aufgaben hat es?

Hr. Huemer: Den Mehrwert für Salzburg würde ich einerseits für Bewohner der Stadt Salzburg als Teil von Lebensqualität bezeichnen und andererseits (aus touristischer Sichtweise) als Bestandteil des touristischen Angebotes sehen.

Gesellschaftlich ist es eigentlich mit einem Zitat von Alfred Polgar auf den Punkt gebracht: „Ein Ort für Leute die allein sein wollen, dazu aber Gesellschaft brauchen“. Teilweise für ältere Leute ein Fix- bzw. Anlaufpunkt, ein Ort für Kommunikation aber auch zur Entspannung und vor allem Treffpunkt von Leuten verschiedener Alters- und Berufsgruppen sowie Gesellschaftsschichten.

Stil&Wert: Wer ist ihr typischer Kaffeehaus-Kunde? Ist es der Stammgast oder der Tourist?

Hr. Huemer: Der typische Wernbacher-Stammgast ist eindeutig der Salzburger – vor allem DAS Kaffeehaus fürs Andräviertel („jedem Viertel sein Kaffeehaus“), Touristen findet man natürlich auch doch hauptsächlich zu den Spitzenzeiten. Für Touristen wird das Kaffeehaus hauptsächlich aufgrund der Einzigartigkeit als Erlebnis empfunden.

Stil&Wert: Würden Sie sagen, dass die Stammgäste tendenziell weniger werden? Kommt hier eine Generation von jungen Salzburgern nach? Und müssen sich denn auch traditionelle Kaffeehäuser wie das Café Wernbacher immer wieder neu interpretieren? Ich denke jetzt spontan unter anderem an den „Filmbrunch“. Inwiefern hat sich Ihr Haus in den letzten Jahren neu interpretiert?

Hr. Huemer: Stammgäste werden – wenn man immer mit der Zeit geht und immer wieder neues einbringt nicht weniger, sondern man kann auch junge Leute dafür begeistern, dies sehe ich auch als Aufgabe und Verantwortung die Altwiener Kaffeehauskultur in die Zukunft zu tragen und zu erhalten. Auch durch verschiedene Aktivitäten kann man neue Gästeschichten ansprechen und neue Stammgäste gewinnen und begeistern.

Stil&Wert: Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: „Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich…“

Hr. Huemer: …die Rahmenbedingungen für das Arbeiten in der Gastronomie deutlich verbessern! Gastronomie hat in Österreich einen sehr hohen Stellenwert und ich kann nicht verstehen, dass die Gastronomie (und auch die Hotellerie) in unserem Land immer stiefmütterlicher behandelt wird.

Stil&Wert: Danke für Ihre Ausführungen, Herr Huemer.

Hr. Huemer: Vielen Dank für das nette Gespräch!

 

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