Frey-Räume für Kunstträume

Der in Salzburg und Wien ansässigen Galerie Frey ist es in den vergangenen Jahren gelungen, mit der Präsentation von arrivierten und neu zu entdeckenden Kunstrichtungen eine lebendige Plattform für zeitgenössische Kunst zu etablieren.

Als Reaktion auf den Malerei-Boom des vergangenen Jahrzehnts liegt der Schwerpunkt der Galerie auf malerischen Interpretationen heimischer und internationaler Provenienz. So findet sich beispielsweise mit dem Österreicher Hans Staudacher einer über die Landesgrenzen hinaus renommierten Hauptvertreter des österreichischen Informel im Programm.

Heideswinth Kurz tauschte sich intensiv mit Peter Frey über seine Person, seine Galerie und seine Kunst-Philosophie aus:

Heideswinth Kurz: Peter, dieser Platz hier hat so eine wunderbar loft-artige Ausstrahlung! Modern, hell und großzügig – und wenn man aus den riesigen Galeriefenstern schaut, sieht man das herrliche Kloster Nonnberg. Wie kommt man eigentlich zu so einem einzigartigen Platz?
Peter Frey: Ja, das ist wirklich schön hier: Tatsächlich befinden wir uns in Räumlichkeiten, die früher zur benachbarten, ältesten noch betriebenen Metzgerei Salzburgs gehört haben. Diese wurden später vom städtischen Fotohof gemietet und waren lange für Ausstellungen geöffnet. Erst 1991 konnten wir dieses Loft für unsere Galerie adaptieren. Der Fotohof ist damals nach Lehen übersiedelt, und wir haben hier mit unserer Architektin Fr. DI Ursula Spannberger die Galerie Frey eingerichtet.

In Wien habt Ihr ja auch eine Galerie – wo genau ist die gelegen?
Ganz nahe an der Albertina, in der Gluckgasse im Ersten Bezirk. Sie ist ungefähr gleich groß wie hier, aber ganz anders im Charakter.

Was macht für einen Galeristen den Unterschied von Wien zu Salzburg aus?
Na ja, in Wien ist einfach dauernd was los! Das wird nur durch die Osterfestspiele und die Sommerfestspiele in Salzburg unterbrochen – und dann spielt es sich einfach definitiv hier ab! Aber ab September wacht der Wiener Markt wieder auf, und dann geht’s dort wieder los.

Wie macht Ihr das organisatorisch? Wer führt welche Galerie?
Meine Schwester und ich leiten die Geschäfte gemeinsam – sie mehr in Wien, ich mehr in Salzburg. Dabei sind wir für Strategie und Vermarktung gleichermaßen zuständig. Das läuft eigentlich sehr rund. Wir sind durch unsere Mutter, die schon zuvor die Galerie in Salzburg geleitet hat, zum Kunsthandel gekommen. Sie hat uns erst reinschnuppern lassen und es hat uns beiden schon bald wirklich riesig Spaß gemacht. Aber der eigentliche Beginn war eine ambitionierte Leidenschaft meines Onkels, der zwar das Möbelhaus in der Alpenstraße geführt hat, aber im Herzen begeisterter Kunstsammler war. Und nachdem er das Möbelhaus zugesperrt hatte, sagte er: „Ich liebe Kunst, ich kaufe Kunst und ich kenne ein paar Leute in Wien: Machen wir doch eine Galerie auf!“. Und dann kam schon die erste große Ausstellung mit Attersee, Nitsch, Staudacher und Arnulf Rainer sowie tausenden Besuchern.

Das war natürlich ein fulminanter Start – aber was hat Dich so langfristig in dem Thema gehalten?
Das ist ganz einfach gesagt: Es ist ausschließlich die Arbeit mit den Menschen! Die Künstler mit ihren vielschichtigen Persönlichkeiten haben mich sofort fasziniert. Diese Sensibilität und gleichzeitig diese Kraft sind schon etwas ganz Besonderes, das mich immer wieder begeistert. Eigentlich wollte ich ja irgend etwas mit Sport und PR machen, aber nach der ersten Ausstellung war mir klar, wo ich hingehöre. Und dann: Die Vermittler-Rolle zu den Kunden zu spielen, das ist eine ganz große Herausforderung! Gerade bei unseren Künstlern, die aus dem zeitgenössischen Bereich sind, geht es auch um Begegnungen, Beziehungsarbeit und um das Mitverfolgen der Schaffensphasen über eine sehr lange Zeit.

Wie denkst Du über die Verantwortung zur Wertentwicklung von Sammlungen durch den Galeristen?
Natürlich gibt’s da eine Verantwortung – und dazu stehen wir auch. Das beginnt damit, dass wir uns auf bildende Kunst und Skulpturales beschränken, weil dies nachweislich die Bereiche sind, die zuverlässig nachhaltige Wertsteigerungen liefern können. Ein wirklich schönes Werk wird immer für sich stehen können, wird immer eine gute Ausstrahlung haben und seine Käufer finden. Bei den zeitgenössischen Künstlern geht es dann neben dem Namen, der natürlich eine Bedeutung hat, auch um den Zeitpunkt des Entstehens. Ein früher Arnulf Rainer ist schon hoch im Kurs, genau so wie ein Nitsch aus frühen Tagen ¬– da geht es den Käufern oft um das Experimentieren der Künstler auf ihrem Weg zur eigenen Linie.

Und historische Kunstwerke haben Dich nie interessiert?
Natürlich interessieren sie mich und ich finde viele unter ihnen bezaubernd schön. Viele davon hätte ich auch gerne, aber das passt nicht in die Positionierung unserer Galerie. Und dann existiert da so ein Element, das ich unter den zeitgenössischen Künstlern oft überhaupt nicht habe: Einen Francis Bacon hängt man sich auf, weil es ein Francis Bacon ist ¬– ob er schön ist oder nicht!
So etwas fällt unter lebenden, zeitgenössischen Künstlern großteils weg, denn da orientiert man sich mehr um die Ausstrahlung des Werkes. Das ist dann direkter, echter und für mich auch ehrlicher.

Welchen Unterschied gibt es zwischen dem Wiener und dem Salzburger Publikum?
Die Salzburger sind schon konservativer. Wiener sind anteilsmäßig weltoffener, das Neue hat dort eine größere Bedeutung als das Bewahren. Auch das Experimentieren findet mehr Beifall als in Salzburg. Aber bei den Künstlern gibt es eigentlich keine Unterscheidung: Wir haben jetzt Alexander Steinwender im Programm. Ein großartiger Mensch und Künstler, den wir erfolgreich aufbauen können. Das macht Riesenfreude – unabhängig wo man ihn verkauft!

Peter, danke für das nette Gespräch.